Sie fühlen sich Wochen oder Monate nach einer COVID-19-Infektion immer noch erschöpft? Der normale Alltag wird zur Herausforderung, Konzentration fällt schwer, und einfache Aufgaben rauben Ihnen die letzte Energie? Long COVID ist ein reales, ernstzunehmendes Krankheitsbild. Verschiedene Maßnahmen können den Umgang mit den Beschwerden und die Regeneration unterstützen.
Was ist Long COVID und wie entsteht es?
Long COVID, auch Post-COVID-Syndrom genannt, bezeichnet Beschwerden, die mindestens vier Wochen nach einer COVID-19-Infektion bestehen bleiben oder neu auftreten. Schätzungen zufolge sind etwa 10 bis 20 Prozent der Infizierten betroffen[1].
Die Symptome sind vielfältig und betreffen verschiedene Organsysteme:
- Erschöpfung und Fatigue: oft das belastendste Symptom
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen: auch „Brain Fog“ genannt
- Atemnot und Herzrasen: besonders bei Belastung
- Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden
- Schlafstörungen
- Neurologische Symptome wie Kopfschmerzen oder Taubheitsgefühle
Was sind die Ursachen von Long COVID?
Die Forschung zu Long COVID steckt noch in den Anfängen, aber mehrere Mechanismen werden diskutiert:
Gestörte Mitochondrienfunktion
SARS-CoV-2 kann direkt in Zellen eindringen und die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen. Diese Energiekraftwerke sind essenziell für die ATP-Produktion. Sind sie geschädigt, fehlt den Zellen die Energie, was die tiefe Erschöpfung bei Long COVID erklärt[2].
Persistierende Entzündungsprozesse
Bei vielen Long-COVID-Klienten finden sich auch Wochen nach der akuten Infektion noch erhöhte Entzündungsmarker. Diese chronische, unterschwellige Entzündung belastet den gesamten Organismus und verbraucht Energie.
Schäden an den Blutgefäßen
Das Virus kann das Endothel, die innere Auskleidung der Blutgefäße, schädigen. Das beeinträchtigt die Durchblutung und Sauerstoffversorgung verschiedener Organe, was zu den vielfältigen Symptomen beiträgt.
Wie wird Long COVID in der Schulmedizin behandelt?
Die schulmedizinische Behandlung konzentriert sich derzeit vor allem auf die Linderung einzelner Symptome: Schmerzmittel, Physiotherapie, Psychotherapie oder Rehabilitationsprogramme. Spezifische Medikamente gegen Long COVID gibt es bislang nicht.
Diese Maßnahmen behandeln einzelne Beschwerden, erfassen jedoch nicht immer alle diskutierten Mechanismen von Long COVID. Ergänzende Ansätze können weitere Faktoren berücksichtigen.
Welche ergänzenden Ansätze werden diskutiert?
IHHT: Zelltraining für die Regeneration
Das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT) wird als ergänzender Ansatz bei Long COVID untersucht. Die Methode setzt unter anderem an mitochondrialen Anpassungsprozessen an:
- Mitochondriale Anpassung: Hypoxiereize werden im Zusammenhang mit Mitochondrienbiogenese und Mitophagie untersucht.
- Sauerstoffverwertung: Kontrollierte Intervalle setzen Reize für zelluläre Anpassungsprozesse.
- Gefäßreaktionen: Mögliche Einflüsse auf die vaskuläre Anpassung sind Gegenstand der Forschung.
- Entzündungsprozesse: Auch mögliche Effekte auf Immun- und Entzündungsreaktionen werden untersucht.
Eine klinische Studie an Long-COVID-Klienten zeigte nach 15 IHHT-Sitzungen signifikante Verbesserungen der Fatigue-Symptomatik und der kognitiven Leistung im Vergleich zur Kontrollgruppe[3].
Entzündungshemmende Ernährung
Was Sie essen, beeinflusst die Entzündungsaktivität im Körper. Eine antiinflammatorische Ernährung kann die Regeneration unterstützen:
- Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Leinsamen oder Walnüssen
- Antioxidantien aus bunten Gemüsesorten und Beeren
- Curcumin aus Kurkuma: stark entzündungshemmend
- Vermeidung von stark verarbeiteten Lebensmitteln und Zucker
Gezielte Nährstoffergänzung
Bestimmte Nährstoffe können die mitochondriale Funktion und das Immunsystem unterstützen. Zu den wichtigsten gehören:
- Vitamin D3: wichtig für das Immunsystem (Blutspiegel prüfen)
- Coenzym Q10: essenziell für die Energieproduktion in den Mitochondrien
- B-Vitamine: besonders B12, B6 und Folat für die Zellteilung
- Magnesium: an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt
- Zink und Selen: wichtig für die Immunfunktion
Wichtig: Nahrungsergänzung sollte immer individuell und nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Ein Zuviel kann schaden.
Schlaf und Stressmanagement
Regeneration findet vor allem im Schlaf statt. Guter Schlaf ist bei Long COVID essenziell, aber oft gerade das Problem. Diese Maßnahmen können helfen:
- Regelmäßige Schlafenszeiten einhalten
- Bildschirmzeit mindestens eine Stunde vor dem Bett reduzieren
- Kühle, dunkle Schlafumgebung schaffen
- Entspannungstechniken wie Meditation oder Atemübungen
- Pacing: Energie einteilen und Überlastung vermeiden
Welche Prozesse werden im Zusammenhang mit IHHT untersucht?
Die Forschung betrachtet mehrere mögliche Anpassungsbereiche:
Mitochondriale Anpassung
Kontrollierte Sauerstoffintervalle setzen Reize, die mit Mitochondrienbiogenese und Mitophagie in Verbindung stehen.
Energieproduktion
Mögliche Auswirkungen auf den mitochondrialen Energiestoffwechsel werden wissenschaftlich untersucht.
Durchblutung
Hypoxiereize können vaskuläre Anpassungsprozesse beeinflussen.
Immunmodulation
Mögliche Effekte auf Immun- und Entzündungsprozesse sind Gegenstand aktueller Forschung.
Was berichten Klienten aus der Praxis?
Seit 2020 begleiten wir zunehmend auch Menschen mit Long-COVID-Beschwerden.
- Klienten berichten nach mehreren Sitzungen unter anderem von Veränderungen bei Fatigue, Konzentration und Belastbarkeit.
- Zeitpunkt und Ausmaß unterscheiden sich individuell.
Wichtig: Jeder Mensch ist anders und Ergebnisse können variieren. IHHT kann abhängig von der individuellen Situation als ergänzender Baustein berücksichtigt werden.
Häufig gestellte Fragen zum Zelltraining bei Long COVID
Wie lange können Long-COVID-Beschwerden anhalten?
Der Verlauf ist individuell. Begleitende Maßnahmen können die Regeneration unterstützen, ohne eine bestimmte Dauer zu garantieren.
Können Long-COVID-Beschwerden vollständig zurückgehen?
Bei manchen Betroffenen bilden sich die Beschwerden vollständig zurück. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom individuellen Verlauf ab.
Ist IHHT auch nach einer COVID-Impfung sinnvoll?
Allein aus einer zurückliegenden COVID-Impfung ergibt sich keine allgemeine Empfehlung für IHHT. Entscheidend sind die aktuelle Situation und eine medizinische Abklärung möglicher Beschwerden.
Was kostet ein IHHT-Zelltraining bei Long COVID?
Eine Einzelsitzung kostet 89 Euro. Zusätzlich stehen eine 10er-Karte für 790 Euro und eine 15er-Karte für 1.090 Euro zur Verfügung. Welcher Umfang sinnvoll ist, wird individuell besprochen.
Kann ich Long COVID selbst behandeln?
Ein gewisser Selbstmanagement-Anteil ist wichtig: Pacing, Ernährung, Schlaf und Stressmanagement. Ob ergänzend ein Verfahren wie IHHT sinnvoll ist, sollte individuell und unter Berücksichtigung der bisherigen medizinischen Abklärung entschieden werden.
Gibt es Risiken bei IHHT nach COVID-19?
Vor dem Start werden mögliche Gegenanzeigen und Vorerkrankungen geklärt. Bei kardialen Beschwerden oder stark reduzierter Belastbarkeit ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
Fazit: Individuelle Kombination verschiedener Maßnahmen
Long COVID erfordert häufig eine individuell abgestimmte Kombination verschiedener Maßnahmen.
Ernährung, Nährstoffversorgung, Belastungssteuerung und ergänzende Verfahren wie IHHT können dabei berücksichtigt werden.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen
World Health Organization, 2021
PubMed Central, 2024
GeroScience, Springer Nature, 2024
The Lancet eClinicalMedicine, 2023
Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle, 2024
MDPI International Journal of Molecular Sciences, 2024
Markus Spiegelhalder
Gründer und Leiter der Previum Lounge. Spezialisiert auf zelluläre Regeneration und IHHT. Über 800 Klienten begleitet.
